Sie sind Ruheständ­ler und Privatiers. Arbeiten müssen sie nicht mehr. Doch ihr Fachwissen stellen sie gerne christlichen Organisationen zur Verfügung. Rund 50 die­ser Wohltäter sind im Netzwerk ,,Experten helfen“ zusammenge­schlossen.

 

Wenn christliche Werke professionellen Rat brauchen, müssen sie – wie jeder Andere auch – manchmal ganz schön tief in die Tasche greifen. Stundensätze von meh­reren hundert Euro etwa für Fachanwälte oder Unternehmensberater schrecken die Organisatio­nen ab. Viele von ihnen leben ausschließlich von Spenden, und dieses Geld wird auch an anderen Stellen dringend benötigt. Um solchen Organisa­tionen dennoch Spezialistenwissen zu vermitteln, hat ein württembergisches Geschwisterpaar den gemeinnützigen Verein „Experten helfen“ aus der Taufe gehoben. Angelika Eckstein-Hänssler aus Dettenhausen bei Tübingen bringt selbst jede Menge Expertise mit. Die 60-Jährige besaß früher einen christlichen Musikverlag, danach zwölf Jahre lang ein IT-Un­ternehmen, das unter anderem Software für einen automatisierten Zusammenschnitt von Videoclips entwickelte. Ihr Bruder Frieder Hänssler (58) war Teilhaber einer großen Anwaltskanzlei für Ban­ken- und Kapitalmarktrecht, verkaufte seinen An­teil und hat finanziell ausgesorgt. Nur noch zu reisen oder im Garten die Blumen zu gießen, das ist den beiden engagierten Christen zu wenig. Sie haben mit Gleichgesinnten den Verein gegründet, der Experten an christliche Organisa­tionen vermittelt. Inzwischen sind es fast 50 Fach­leute aus den verschiedensten Bereichen: Recht, Steuern, Marketing, Controlling, Fundraising. Sie besitzen Expertise, die sie früher für stolze Hono­rare weitergegeben haben und nun für einen gu­ten Zweck bereitstellen. Internetprofis helfen der Jugendarbeit Davon werden in den nächsten Jahren beispiels­weise Zehntausende Mitarbeiter in der Kinder­und Jugendarbeit profitieren. Unter den Jüngeren dieser Ehrenamtlichen sind viele „Digital Nati­ves“ – junge Leute also, die mit Computer und Internet groß geworden sind und zur Aneignung von Wissen nur selten (und dann eher unwillig) auf Gedrucktes zurückgreifen. Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW), das alleine schon knapp 54.000 ehrenamtliche Mitarbeiter hat, suchte deshalb eine Internetlösung, die Ar­beitshilfen wie Gruppenstundenentwürfe oder Spielvorschläge nutzerfreundlich parat hält. Hier kam Angelika Eckstein-Hänssler ins Spiel. Als Software-Expertin brachte sie neben dem EJW mehrere christliche Jugendverbände aus Deutschland und der Schweiz an einen Tisch und bereitete mit ihnen ein Konzept vor, was ein ent­sprechendes Internetangebot leisten müsste. Nun soll innerhalb eines Jahres das geballte Wissen für die Ehrenamtlichen im Netz stehen. ,,Wir sind völlig transparent“ Zu den weiteren Projekten gehört die Beratung ei­nes Diakonissen-Mutterhauses, das sich neu auf­stellen möchte: Die Fragen der Schwestern reichen vom Immobilienverkauf bis zur Neuorganisation der Buchhaltung. Oder eine Initiative, die Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen zu Klettertouren einlädt – dieses Angebot fand schnell eine so gewaltige Resonanz, dass die Or­ganisation mit dem Aufbau effektiver Strukturen nicht hinterherkam.

Ohne Werbung zunehmend Anfragen Offensive Werbung macht der Verein für seine Arbeit nicht. Das meiste läuft über Mund-zu­ Mund-Propaganda. Dennoch verstärken sich die  Anfragen zunehmend. Deshalb sucht der Verein weitere Experten, die zum Netzwerk hinzusto­ßen. Computerspezialisten und Fundraiser sei­en derzeit von christlichen Organisationen am stärksten gesucht, beobachtet Angelika Eckstein­ Hänssler.

Leave a Reply